Liebe
Ein Mensch, zur Zeit ganz unbeweibt, bemüht sich, daß er es nicht bleibt. Das bessere Ich hebt an zu warnen: ,,Laß nicht schon wieder dich umgarnen! O armer Narr, erinnre dich, die Weiberzeit ist fürchterlich! Dies Girren, Betteln, Warten, Schmachten, Verachtet-Sein, Sich-selbst-Verachten, dies ewige Blumensträuße-Kaufen, dies zwecklose Durch-die-Straßen-Laufen, dies Neppen und dies Zeitverschleppen, kurz, dies Gefühl von einem Deppen, bis eine dir gewogen scheint, die du im Grunde nicht gemeint und die, kaum hast du sie berührt, schon auftrumpft, daß du sie verführt. Dann zapple wieder in den Netzen von Ärger und Moral Gesetzen, wenn du nicht, was noch zehnmal schlimmer, kommst an ein freches Frauenzimmer, das dich verrät an einen Laffen, der mehr für solches Glück geschaffen, und das für Bitten, Schwüre, Tränen nichts hat als ein gemeines Gähnen!" Der Mensch spricht barsch zum bessern Ich: ,,Behalte deinen Schmarrn für dich!“
Eugen Roth
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